• Fernsehturm: 368 Meter – das höchste Bauwerk Deutschlands
  • Aussichtsetage in rund 203 Metern Höhe
  • Rund 891 km² Stadtfläche, 12 Bezirke, 97 Ortsteile
  • Erste urkundliche Erwähnungen: Cölln 1237, Berlin 1244
  • Mauerbau am 13. August 1961, Mauerfall am 9. November 1989
  • East Side Gallery: rund 1,3 Kilometer bemalte Mauer an der Spree
  • Museumsinsel: fünf Museen, UNESCO-Welterbe seit 1999
  • Brandenburger Tor: erbaut 1788 bis 1791 nach Plänen von Carl Gotthard Langhans
  • Großer Müggelberg: 115 Meter, höchste natürliche Erhebung der Stadt
  • Rund 18 Prozent der Stadtfläche sind Wald
  • Tempelhofer Feld: Flughafen bis 2008, seit 2010 offenes Stadtfeld
  • Weltzeituhr am Alexanderplatz: aufgestellt 1969
  • Ampelmännchen: 1961 vom Verkehrspsychologen Karl Peglau entworfen

52° 31′ N · 13° 24′ O

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Travel Hohensch Das Berliner Reiseheft

03 Stadtleben Geschichte in Stein

Architektur
in Berlin

Wenige Städte mussten so oft von vorn beginnen. Vom barocken Platz bis zur gläsernen Bahnhofshalle, von der Prachtstraße der Arbeiter bis zum Konzertsaal im Zeltdach: Diese Bauten machen die Brüche der Stadtgeschichte sichtbar, und eine Route fügt viele von ihnen zusammen.

Strausberger Platz an der Karl-Marx-Allee: Brunnen, flankierende Turmbauten und im Hintergrund der Fernsehturm
Strausberger Platz: Hermann Henselmanns Turmhäuser fassen den Blick nach Westen ein, dazwischen ragt der Fernsehturm auf.Foto: mibuchat, CC BY-SA 2.0 · Bildnachweise

Eine Altstadt als Nachbau

Wer Berlins Mittelalter sucht, kommt meist ins Nikolaiviertel an der Spree – und steht doch vor Bauten der 1980er-Jahre.

Ausblick vom Fernsehturm auf die zweitürmige Nikolaikirche und die roten Dächer des Nikolaiviertels
Aus der Vogelperspektive fallen die beiden Kirchtürme und die Giebeldächer des Viertels besonders auf.Foto: A.Savin, CC BY-SA 3.0 · Bildnachweise

Das Gebiet rund um die Nikolaikirche zählt zu den Ursprungsorten der Stadt und wurde im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört. Zur 750-Jahr-Feier 1987 ließ die DDR es nach Entwürfen von Günter Stahn neu aufbauen, vorwiegend aus Plattenbauteilen, aber mit Giebeln, Arkaden und schmalen Gassen, die an die alte Stadt anknüpfen sollten. Einzelne Häuser wurden nachgebildet, so das Ephraim-Palais, das nur wenige Meter vom ursprünglichen Platz entfernt wiederentstand. Auch die Nikolaikirche, deren Anfänge im 13. Jahrhundert liegen, wurde wiederhergestellt und ist heute ein Museum.

Als bloße Kulisse lässt sich das Viertel abtun. Interessanter ist der Blick auf seine Entstehungszeit: Es belegt, wie die DDR in ihren letzten Jahren Berlins Vergangenheit für sich vereinnahmte.

Gendarmenmarkt

Rund einen Kilometer westlich führt der Gendarmenmarkt vor, wie das barocke Berlin Plätze gestaltete. Ab 1688 entstand er als Markt der neuen Friedrichstadt und verdankt seinen Namen einem Kürassierregiment, den Gens d’armes, dessen Ställe hier standen. Zwei nahezu gleiche Kuppeltürme fassen den Platz ein: im Norden der Französische Dom neben der Kirche der Hugenotten, im Süden der Deutsche Dom. Carl von Gontard setzte die Türme 1780 bis 1785 an die älteren Kirchen. „Dom“ meint hier das französische dôme, also Kuppel; Bischofssitze sind beide Kirchen nicht.

Vom Französischen Dom über den Gendarmenmarkt zum Deutschen Dom geblickt; rechts das Konzerthaus
Vom Französischen Dom zum Deutschen Dom, rechts das Konzerthaus – eine ältere Aufnahme, vor der Umgestaltung des Platzes entstanden.Foto: Ввласенко, CC BY-SA 3.0 · Bildnachweise

Zwischen den Türmen erhebt sich das Schauspielhaus von Karl Friedrich Schinkel aus dem Jahr 1821, heute Konzerthaus. Alle drei Gebäude brannten im Zweiten Weltkrieg aus; ab 1976 baute man sie nach und nach wieder auf, den Deutschen Dom erst bis 1996. In ihm zeigt der Deutsche Bundestag eine Ausstellung zur Geschichte des Parlamentarismus in Deutschland. Der Platz wurde von 2022 bis 2025 umgestaltet.

Gedächtniskirche: Ruine trifft Neubau

Am Breitscheidplatz in der City West steht das bekannteste Mahnmal des einstigen West-Berlin – und ein gelungenes Beispiel dafür, wie man eine Ruine in ein neues Ensemble einbindet.

Ruine des Turms der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz, daneben der achteckige Neubau von Egon Eiermann und ein Hochhaus
Am Breitscheidplatz: der neoromanische Turmstumpf und daneben Eiermanns Kirche mit der Wabenstruktur.Foto: Tuxyso, CC BY-SA 4.0 · Bildnachweise

Errichtet wurde die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche von 1891 bis 1895 nach Plänen von Franz Schwechten im neoromanischen Stil; der Hauptturm maß 113 Meter. Ein Luftangriff in der Nacht zum 23. November 1943 ließ die Kirche ausbrennen und die Turmspitze einstürzen. Zurück blieb ein Stumpf von etwa 71 Metern, den die Berliner bald „hohler Zahn“ nannten.

Ende der 1950er-Jahre sollte die Ruine einem Neubau weichen. Proteste aus der Bevölkerung führten zu einem Kompromiss von Egon Eiermann: Der Turmstumpf blieb, und neue Gebäude traten hinzu, darunter eine achteckige Kirche und ein sechseckiger Glockenturm. Am 17. Dezember 1961 wurde die Kirche geweiht. Ihre Wände bestehen aus einem Betongitter mit mehr als 20.000 bunten Glaselementen aus der Werkstatt von Gabriel Loire in Chartres. Von außen erscheinen sie grau, im Innenraum taucht das Licht alles in tiefes Blau. Die Berliner gaben dem Ensemble schnell einen Spitznamen: „Lippenstift und Puderdose“.

In der Turmruine erinnert eine Gedenkhalle an die Zerstörung; dort liegt unter anderem ein Nagelkreuz aus Coventry. Auf den Stufen zum Kirchplatz verläuft seit 2017 ein goldener Riss mit den Namen der Todesopfer des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt im Dezember 2016.

Karl-Marx-Allee: Wohnpaläste für Arbeiter

Auf die Wohnungsnot reagierte die junge DDR mit einem Boulevard: so breit wie ein Aufmarschgelände und gesäumt von Wohnbauten, die als Paläste auftreten sollten.

Ab 1952 wurde im Ostteil der Stadt die Stalinallee gebaut, etwa zwei Kilometer lang zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor. Den Wettbewerb entschied Egon Hartmann für sich; an der Planung wirkten unter anderem Richard Paulick und Hanns Hopp mit. Die Turmhäuser am Strausberger Platz und am Frankfurter Tor entwarf Hermann Henselmann, ihre Kuppeln spielen auf Gontards Türme am Gendarmenmarkt an. Der im Westen oft als „Zuckerbäckerstil“ verspottete Stil verknüpft sowjetische Vorbilder mit Motiven des Berliner Klassizismus. Die Fassaden tragen Keramikplatten, und die Wohnungen besaßen Zentralheizung, Bad und häufig einen Fahrstuhl – Komfort, der Anfang der 1950er-Jahre kaum üblich war.

Auf dieser Baustelle nahm auch der Aufstand vom Juni 1953 seinen Anfang: Am 16. Juni stellten Bauarbeiter der Stalinallee die Arbeit ein, weil die Normen heraufgesetzt worden waren, und am 17. Juni demonstrierten Hunderttausende in der gesamten DDR. 1961 erhielt die Straße den Namen Karl-Marx-Allee. Der Abschnitt Richtung Alexanderplatz folgt ab 1959 der nüchternen Formensprache der Moderne – ein Stilbruch, den man beim Spazieren sofort bemerkt.

Die Antwort des Westens: das Hansaviertel

West-Berlin hielt 1957 mit der Internationalen Bauausstellung Interbau dagegen. Im Hansaviertel am Tiergarten stehen Wohnbauten unter anderem von Walter Gropius, Alvar Aalto und Oscar Niemeyer aufgelockert im Grünen – eine Stadtlandschaft statt einer Straßenachse.

Kulturforum: Zeltdach und Glashalle

Westlich des Potsdamer Platzes, damals dicht an der Mauer, entwarf West-Berlin eine neue Kulturlandschaft. Zwei der Gebäude zählen zu den bedeutendsten der Nachkriegszeit.

Zuerst entstand die Philharmonie von Hans Scharoun, die von 1960 bis 1963 gebaut und am 15. Oktober 1963 eröffnet wurde. Scharoun platzierte das Orchester in der Mitte und gruppierte die mehr als 2.000 Plätze in gestaffelten Terrassen, den „Weinbergen“, rundum. Das geschwungene Dach lässt das Haus von außen wie ein Zelt wirken; die Berliner nannten es bald „Zirkus Karajani“, nach dem damaligen Chefdirigenten Herbert von Karajan. Die goldene Fassade aus eloxiertem Aluminium kam erst um 1980 hinzu.

Wenige hundert Meter südlich steht der Gegenentwurf: die Neue Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe, 1968 eröffnet und sein einziges Bauwerk in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein quadratisches Stahldach mit knapp 65 Metern Kantenlänge ruht auf lediglich acht Stützen und überspannt eine fast leere, ringsum verglaste Halle; die Sammlung zur Kunst des 20. Jahrhunderts liegt im Untergeschoss. Nach einer Sanierung unter David Chipperfield ist das Haus seit August 2021 wieder offen.

„Berlins Antworten stehen oft Seite an Seite: Ruine und Neubau, Stalinallee und Hansaviertel, Zeltdach und Glashalle.“

Moderne Siedlungen

Die wohl wirkungsvollste Architektur Berlins liegt nicht in der Mitte, sondern in Wohnquartieren weiter draußen.

In den 1920er-Jahren ließ Stadtbaurat Martin Wagner Siedlungen bauen, die auch Menschen mit geringem Einkommen Licht, Luft und Grün boten. Sechs von ihnen gehören seit 2008 als „Siedlungen der Berliner Moderne“ zum UNESCO-Welterbe, unter anderem die Gartenstadt Falkenberg, die Weiße Stadt in Reinickendorf und die Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg. Im Juli 2026 wurde die Waldsiedlung Zehlendorf als siebter Bestandteil aufgenommen.

Am berühmtesten ist die Großsiedlung Britz in Neukölln, ab 1925 nach Plänen von Bruno Taut und Martin Wagner errichtet. Im Zentrum liegt ein etwa 350 Meter langer, hufeisenförmiger Wohnblock um einen kleinen eiszeitlichen Teich. Taut setzte gezielt Farbe ein: strahlend blaue Haustüren, kräftiges Rot an der Fritz-Reuter-Allee. Hier wohnen Menschen – verhalten Sie sich daher wie in jedem Wohnviertel: leise, auf den Wegen und ohne Gärten oder Fenster zu fotografieren.

Die Hufeisensiedlung in Kürze

Bauzeit
Kernbereich 1925 bis 1930
Entwurf
Bruno Taut und Martin Wagner
Hufeisenbau
ca. 350 Meter lang
Welterbe
seit 2008
Erreichbar über
U-Bahnhof Parchimer Allee

Neubauten nach 1990

Nach 1990 verfügte Berlin über Bauflächen wie keine andere europäische Hauptstadt – genau dort, wo zuvor der Grenzstreifen lag.

Potsdamer Platz

Vor dem Krieg gehörte der Potsdamer Platz zu den verkehrsreichsten Plätzen Europas, und 1924 stand dort einer der ersten Ampeltürme des Kontinents. Mit der Teilung verwandelte er sich in eine Brache im Grenzgebiet. In den 1990er-Jahren wurde daraus eine der größten Innenstadt-Baustellen Europas. Statt eines Masterplans mit einheitlicher Traufhöhe setzten sich Hochhäuser durch, unter anderem von Renzo Piano, Helmut Jahn und Hans Kollhoff, dessen gut 100 Meter hoher Klinkerturm an New Yorker Vorbilder erinnert. Ein Nachbau des alten Ampelturms steht wieder auf dem Platz; Mauersegmente und die Pflastersteinreihe im Boden verweisen auf die Mauer.

Hauptbahnhof

Am Spreebogen nördlich des Regierungsviertels wurde am 26. Mai 2006 der Hauptbahnhof nach Plänen von Meinhard von Gerkan eröffnet. Er ist ein mehrgeschossiger Kreuzungsbahnhof: Oben verkehren die Züge der Ost-West-Strecke unter einem Glasdach, tief darunter die der Nord-Süd-Verbindung, und zwei bügelförmige Bürobauten überspannen die Halle. Das Glasdach wurde schon während der Bauzeit auf etwa 321 Meter verkürzt – ein Punkt, über den man jahrelang stritt. Das Reichstagsgebäude und das Kanzleramt liegen auf der anderen Spreeseite; mehr dazu unter Brandenburger Tor & Reichstag.

Oberbaumbrücke

Zwischen Kreuzberg und Friedrichshain spannt sich die Oberbaumbrücke, die Otto Stahn entwarf und die von 1894 bis 1896 gebaut wurde. Ihre Backsteintürme folgen einem Stadttor in Prenzlau, und auf dem Oberdeck verläuft ein Viadukt für die Hochbahn. Zu Mauerzeiten diente sie zeitweise als Übergang für Fußgänger. Das 1945 gesprengte Mittelstück ersetzte Santiago Calatrava 1995 durch eine moderne Stahlkonstruktion. Mehr zur Brücke und zur Spree steht in Berlin am Wasser.

Eine Route zu Fuß und per U-Bahn

Die meisten dieser Bauten reihen sich entlang einer Linie auf, die Sie an einem langen Tag zu Fuß und mit der U-Bahn ablaufen können. Gedächtniskirche und Hufeisensiedlung liegen abseits und verdienen eigene Ausflüge.

  1. Hauptbahnhof

    Beginnen Sie in der Glashalle und gehen Sie dann über die Spree in den Spreebogen zu Reichstagsgebäude und Kanzleramt.

  2. Potsdamer Platz

    Etwa eine halbe Stunde Fußweg, vorbei am Brandenburger Tor und am Denkmal für die ermordeten Juden Europas.

  3. Kulturforum

    Philharmonie und Neue Nationalgalerie liegen nur wenige Minuten westlich des Platzes.

  4. Gendarmenmarkt

    Zwei Stationen U-Bahn bis Stadtmitte, alternativ etwa 20 Minuten zu Fuß über die Leipziger Straße.

  5. Nikolaiviertel

    Rund eine Viertelstunde Fußweg nach Osten, über die Spree bis zur Nikolaikirche.

  6. Karl-Marx-Allee

    Ab U-Bahnhof Rotes Rathaus fahren Sie bis Strausberger Platz und gehen dann gut zwei Kilometer an der Allee entlang bis zum Frankfurter Tor.

  7. Oberbaumbrücke

    Etwa 20 bis 25 Minuten Fußweg nach Süden über die Warschauer Straße – zum Sonnenuntergang über der Spree besonders schön.

Hinweis

Philharmonie, Konzerthaus, Neue Nationalgalerie und Gedächtniskirche lassen sich von innen nur zu bestimmten Zeiten besichtigen, manche nur bei Veranstaltungen oder Führungen. Öffnungszeiten und Besuchsregeln klären Sie bitte vorab auf den offiziellen Seiten der Häuser.

Anreise zu den Stationen

  • Start

    HauptbahnhofS-Bahn, U-Bahn, Tram und Regionalzüge halten unmittelbar am Bahnhof.

  • S + U

    Potsdamer PlatzFür den Platz und das Kulturforum.

  • U-Bahn

    StadtmitteNur wenige Schritte bis zum Gendarmenmarkt.

  • U-Bahn

    Strausberger Platz, Weberwiese, Frankfurter TorDrei Haltestellen an der früheren Stalinallee.

  • S + U

    Zoologischer GartenEtwa fünf Gehminuten bis zur Gedächtniskirche am Breitscheidplatz.

  • U-Bahn

    Parchimer AlleeEin kurzer Spaziergang bis zur Hufeisensiedlung in Britz.

Linien und Fahrpläne können sich ändern; prüfen Sie vor der Fahrt die aktuelle Fahrplanauskunft. Hinweise zu den Tarifbereichen gibt es in unseren Reisetipps.